Wirklichkeit hat mindestens vier Ebenen. Hinter der räumlichen ist die zeitliche, hinter der zeitlichen die Wirklichkeit der Empfindung und hinter dieser die der Intention.

 

– In der physisch-räumlichen Ebene sehen wir Tat-Sachen, Gestalten, Formen. In dieser Wirklichkeit schauen wir auf die Dinge drauf. Von außen. Wir sehen Gesichtspunkte, Blickwinkel von einem gewissen Standpunkt aus. Hier ist alles schon geworden.

 

– In der zeitlichen Ebene erleben wir Prozesse dadurch, dass wir denken. Das, was wird oder schon geworden ist, kann im Denken nach- oder mitvollzogen werden. Denken selbst ist Bewegung, Prozess.

 

– In der Ebene der Empfindung erleben wir das, was als Gefühl den Prozess begleitet oder diesen sogar auslöst. Diese Wirklichkeit erscheint auf der Ebene der Tatsachen als Ausstrahlung. (Wir kennen das alle: Zwei äußerlich gleiche Dinge, und doch bewirken sie eine unterschiedliche Stimmung). Hier geht es um Qualitäten.

 

– In der Intentionswirklichkeit fassen wir Entschlüsse, entscheiden uns, wählen die Richtung, erzeugen Räume durch Bewusstsein. In dieser Ebene verantworten wir die physischen Tatsachen, die wir selbst geschaffen haben oder schaffen, begegnen in der Welt Ideen. Wir sind in unserem Wesen angesprochen. Wenn wir eine Idee oder ein Wesen wahrnehmen, blicken wir nicht mehr von außen darauf, dann schauen wir die Welt von innen.

 

Bei den Wirklichkeitsebenen geht es um die Dimensionen, die ineinander wirken. Bekannt sind die drei Dimensionen, die sich vom Punkt zur Geraden, von der Geraden zur Fläche und von der Fläche in den Raum hinein entwickeln. Der Mensch entwickelt sich durch sein Aufrichtevermögen und durch seine Bewegungsfähigkeit in diesen Raum hinein. Seine Mitte wird Raumfokus.

Doch was ist die vierte, die fünfte und die sechste Dimension? Betrachtet man es mathematisch, wird der positive Raum nun negativ, das heißt, was materieerfüllt war, wird nun geisterfüllt - man könnte auch sagen: sinnerfüllt.

Die erste geisterfüllte Dimension, mathematisch die vierte, wird erlebbar in der Zeit. Gleichzeitig wirkt ab der vierten Dimension die Ursache aus der Zukunft. Das bedeutet, da die 5. Dimension sich als Empfindung zeigt, dass Zeit ein Zeiterleben sein muss, wenn man sie sich zu Bewusstsein bringen möchte. Denn erst im seelischen Erleben ist Zeit eine eigene Realität (sonst lässt sie sich immer durch den Raum und seine Vorgänge wahrnehmen).

Damit öffnet sich in der Zeit die Dimension der Empfindung.

Die Empfindung wiederum erhält ihren Fokus durch das Bewusstsein. Geistige Präsenz entsteht im Fühlen, die das Ganze umfasst und zugleich ausrichtet. Die 6. Dimension ist nicht der Punkt, sondern der Umkreis des Punktes. Das heißt, wir erfassen dadurch, dass wir selbsttätig diese Dimensionen in der Eurythmie hervorbringen, die Idee als Wirkendes aus der Zukunft und stellen uns da als ganzer Mensch mit unserem Denken, Fühlen und Wollen hinein. Wir erfassen sie nicht als Vorstellung (Vorstellungen gehören der 3. Dimension an), sondern als Kraft. Die Idee wirkt seit jeher – wie sonst könnten wir ihr entgegen gehen?

 

Durch die Eurythmie bekommen wir langsam einen Zugang zu diesen Wirklichkeiten, lernen sie (er)kennen, zu unterscheiden, sie zu verbinden, und bewegen uns in ihnen – seelisch, geistig, physisch. Alle Dimensionen der einen Wirklichkeit sind gleichzeitig wirksam sind, doch ist die letzte Dimension (die Intention) im Grunde genommen geistig die erste ist: Wir fassen einen Entschluss (zum Beispiel einen Weg zu gehen). In den meisten Fällen schießt dieser Entschluss unbewusst sofort in die Tat und greift sich Raum, wird Tat-Sache. Innere Freiheit erlangen wir aber erst, wenn wir uns im Erleben die Bewegung erschließen, die zwischen Idee und Raumtatsache wirksam ist. Wenn wir merken: Ich gehe den Weg von der Intention zum Ziel selbst, und ich gestalte ihn auch. Und meine Empfindung ist weder Auslöser noch Nebenwirkung der Bewegung, sondern ein Wahrnehmungsorgan, ein Leitstern.